Es gibt einen Reflex, dem fast alle Fanø-Besucher verfallen: ankommen, Fahrrad mieten, Richtung Strand. Was dazwischen liegt – das Innere der Insel – wird dabei so gründlich übersehen, als wäre es gar nicht vorhanden. Ich habe das selbst jahrelang so gemacht. Dann kam ein Regentag, der Strand fiel aus, und ich fuhr einfach drauflos.
Fanø ist klein. Zwölf Kilometer lang, drei breit. Man denkt, man hat alles gesehen. Nach dem ersten Sommer dachte ich das auch. Dann kamen das zweite und das dritte Jahr, und plötzlich fand ich mich auf Wegen wieder, die ich nicht kannte – und an Orten, für die mir zunächst die Worte fehlten. Drei davon zeige ich euch in diesem Video.
Fanø Plantage – der stille Wald
Auf einer Nordsee-Insel erwartet man keinen Wald. Und dann steht man plötzlich unter Kiefern, die so alt sind, dass sie anfangen, schief zu wachsen – weggebogen vom Wind, der hier nie ganz aufhört. Die Fanø Plantage wurde im 19. Jahrhundert angepflanzt, um die Dünen zu befestigen. Was als Schutzmaßnahme begann, ist heute ein stilles, fast meditatives Stück Natur.
Man kann hier Fahrrad fahren, spazieren gehen, oder einfach sitzen. Im Sommer riecht es nach Harz und warmer Erde. Es gibt keine Schilder, die erklären, was man hier zu fühlen hat. Das finde ich gut.
Der alte Ortskern von Nordby
Die meisten Besucher sehen Nordby nur aus dem Autofenster heraus oder als Durchgangsstation zur Fähre. Dabei lohnt es sich, das Fahrrad irgendwo anzulehnen und einfach zu laufen. Die alten Fischerhäuser stehen hier noch so da, wie sie immer standen – gedrungen, windabweisend, mit diesen kleinen Gärten, in denen immer irgendetwas blüht, auch wenn man nicht genau weiß, was.
Wer Keramik mag, sollte bei Frk. Toft vorbeischauen – ein kleines Atelier, das genau so aussieht, wie man sich eine dänische Keramikerin auf einer Nordseeinsel vorstellt. Nichts ist laut, alles hat seine eigene Form.
Der Weg nach Sønderho
Zwischen Nordby und Sønderho liegt die ganze Insel. Zwölf Kilometer, die man in einer Stunde abradeln kann – oder in drei Stunden, wenn man aufhört, auf die Uhr zu schauen. Der innere Weg führt durch Heide und Kiefernhain, vorbei an Kreuzungen, die auf keine Landkarte passen, und an Horizonten, die so flach und so weit sind, dass man anfängt, den Himmel anders wahrzunehmen.
Sønderho selbst ist das eigentliche Ziel – eines der am besten erhaltenen Fischerdörfer Dänemarks, mit Reetdachhäusern, einem alten Krug und einer Stille, die sich anfühlt, als hätte jemand den Lärm des 21. Jahrhunderts einfach vergessen zu installieren. Ankommen und kurz nichts tun – das reicht vollkommen.
Praktische Infos
Anreise: Fähre von Esbjerg nach Nordby – mehrmals täglich, etwa 12 Minuten Überfahrt.
Fahrrad: Leihräder gibt es in Nordby direkt am Fähranleger.
Einkehr in Sønderho: Sønderho Kro – eines der ältesten Gasthäuser Dänemarks, gute dänische Küche, kein Touristenlokal.
Wann: Das Inselinnere lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Im Herbst besonders – wenn die Heide lila blüht und kaum jemand mehr da ist.
Das vollständige Video mit allen drei Ausflugszielen findet ihr auf meinem YouTube-Kanal – inklusive ein paar Umwege, die ich nicht geplant hatte, aber nachher nicht missen möchte.
Ort im Beitrag
Übrigens — wir vermieten ein Ferienhaus in Sønderho auf Fanø, falls du länger bleiben möchtest.
